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Spaßflunder verleitet zum ungehemmten Gasgeben
MG setzt den neuen TF auf die deutschen Auto-Puristen an
Fahrspaß, und das nicht zu knapp – dafür stehen Roadster. Vor mehr als zehn Jahren läutete Mazda mit dem MX-5 eine erschwingliche Ära ein. Bis dato zählten die zweisitzigen Sportwagen zur Kategorie der Luxusfahrzeuge und waren meist einer wohlhabenden Klientel vorbehalten. 1995 meldete sich die britische Traditionsmarke MG – 1921 als „Morris Garages“ gegründet – mit dem MG F zurück. Mehr als 10 000 Fahrzeuge konnten die Briten hierzulande absetzen. Ab dem Frühjahr 2002 tauchte die 1,2 Tonnen leichte Spaßflunder überarbeitet auf Deutschlands Straßen auf – als MG TF.
Auffallend anders ist die Front des kleinen Spaßmachers: Die Scheinwerfer wirken wie giftige Hornissen, die Jagd auf Beute machen. Und diese Beute sind junge und junggebliebene Auto-Puristen. Der vordere Stoßfänger ist ebenso überarbeitet wie die Kofferraumklappe: Eine dritte Bremsleuchte ist in der Spoilerlippe integriert. Diese Maßnahmen dienen nicht nur dem Design, sie haben auch eine Funktion: Der Auftrieb des Wagens wurde um 28% verringert. Somit ist dem forschen Roadsterfahrer noch knackigerer Fahrspaß garantiert, da der Wagen eine längere Bodenhaftung verspricht. Aber Vorsicht: Auch ein MG kann nicht die Grenzen der Physik außer Kraft setzen. Doch bis man im aktuellen MG TF in den Grenzbereich gelangt, muss man schon eine Menge anstellen: Der Antrieb auf die Hinterräder und der Mittelmotor verleiten geradezu zum ungehemmten Gasgeben. Die Reaktionen des Wagens auf die Stellung des Gaspedals werden direkt an den Fahrer weitergegeben. Die neu konstruierte Mehrlenker-Hinterachse sowie steifere Stabilisatoren samt neuer Radaufhängung tragen zu noch mehr Fahrspaß bei als dies schon beim Vorgänger der Fall war. Mit vier Benzinmotoren buhlen die Briten um die Gunst der Käufer: Von 85 kW/116 PS bis 118 kW/ 160 PS reicht die Palette der 1,8 Liter-Maschinen.
Wir sind den populärsten MG gefahren, den MG TF 135 mit 136 Pferdestärken. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Es ist eine wahre Freude, mit dem kleinen Vierzylinder offen über enge Landstraßen zu hetzen. Vorausgesetzt, man hat es geschafft, das Verdeck unter der Persenning unterzubringen – eine ziemlich fummelige Angelegenheit. Leider haben die MG-Konstrukteure auch bei der Modellpflege auf eine Glasheckscheibe verzichtet. Konkurrenten wie der Mazda MX5 bieten diesen Mehrwert an Durchblick im Winter.
Fazit: Offenes Fahrvergnügen, dazu ein Mittelmotor-Konzept - Autofahrerherz, was willst du mehr? Vielleicht die eine oder andere Passgenauigkeit bei der Verarbeitung und etwas flotter wechselnde Gänge. Doch was soll´s? Roadsterkauf ist eine Frage des Herzens, erst recht, wenn die Entscheidung auf einen Briten fällt. Bei einem Preis ab 20 200 Euro kommt die Konkurrenz nicht aus den Startlöchern heraus.
Alexander Stärk
März 2002
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