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Warum einen Ferrari kaufen, wenn es einen guten Maserati gibt?
Was ist das? Es steht an der grünen Ampel, die Warnleuchten blinken, der Motor heult auf – doch es kommt nicht vom Fleck. Nervös fuchtelt der Fahrer in dem roten Renner an der Mittelkonsole herum.
Doch nichts bewegt sich. Langsam aber sicher werden Passanten auf den Wagen aufmerksam: Einige laufen Kopf schüttelnd weiter. Doch andere bleiben amüsiert stehen und schauen sich die hilflosen Versuche des Fahrers an, den schnellen Italiener vom Fleck zu bewegen. Ist gar nicht so einfach, wenn man zum ersten Mal in einem Maserati sitzt, der Duft vom feinsten Conolly-Leder in die Nase weht, der Blick über die weite Instrumententafel schweift und die Finger auf der Formel 1-Wippschaltung hinter dem Lenkrad weilen. Maserati Spyder Cambiocorsa nennt sich das Gefährt – ein Name, der dem Fan einzigartiger Sportwagen auf der Zunge zergeht. Und wer den Namen hört – am besten natürlich von einem Italiener ausgesprochen – der kann gar nicht anders, als sich für den Wagen zu begeistern. 4,2 Liter-Achtzylinder mit gewaltigen 390 PS steht nüchtern auf dem Datenblatt. Und in Sachen Drehmoment zerren maximal 451 Newtonmeter bei 4500 Umdrehungen pro Minute an der Nockenwelle.
Doch diese geballte Urkraft muss erst mal auf die Straße gebracht werden. Also den Gang eingelegt ... Doch Moment, richtig! Vor der Schlüsselübergabe hat der Anweiser gesagt, man müsse die Bremse treten ehe man einen Gang einlegen kann. Gesagt, getan. Und los geht ´s: Sanft blubbert der Achtzylinder vor sich hin. Und nur beim Durchdrücken des Gaspedals merkt man, was für eine Kraft in dem italienischen Renner steckt: Heulend kann man den Sound des Wagens nicht bezeichnen. Eher schon fordernd oder satt. Doch egal in welchem Drehzahlbereich man sich gerade aufhält – weder der Spyder noch das ebenso bildschöne Coupé wirken aufdringlich. Geradezu gediegen ist die Atmosphäre im Inneren – der Fahrer eines Maseratis kommt sich eben bestens aufgehoben vor. Keine Spur von rauem Rennwagen-Feeling.
Schön ist die Analoguhr in der Mittelkonsole anzusehen: Auf ihrem Zifferblatt thront ebenso der Dreizack wie in der Mitte des Lederlenkrades. Dieser Dreizack ist das Markenzeichen von Maserati: Der Dreizack des Neptun – angelehnt an die Neptunstatue in Bologna. Gefertigt wird der Maserati von 400 Mitarbeitern in Modena, dort, wo auch die berühmten Ferraris hergestellt werden.
Ein Wort zu den Fahrleistungen: 4,9 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 und 285 km/h Höchstgeschwindigkeit sind gigantisch.
Fazit: Zu Preisen ab 85 000 Euro (Spyder GT) sind Maseratis neue Modelle kein günstiges Vergnügen. Das Fahrgefühl ist jedoch einzigartig. Die 5000 Euro Aufpreis für die Formel 1-Schaltung kann man sich sparen: Vor allem beim Dahingleiten in der Stadt ist das Getriebe äußerst ruppig.
Alexander Stärk
April 2002
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